Vom Sitzen zwischen den Stühlen: Lassen sich religiöse Tradition(en) und Frauengleichberechtigung miteinander vereinbaren?!-

Frauenfrühstück in Lingen

Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg freut sich auf einen regen Austausch mit (kfd-)Frauen aus dem Emsland beim diesjährigen Frauenfrühstück. Diesmal nicht im Saal Klaas (die haben mittwochs geschlossen), sondern im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen.
Am 5. Juni 2019 gibt es ab 9.30 Uhr ein leckeres Frühstück, ein Referat mit dem o. g. Thema von Rabbinerin Ulrike Offenberg und die Möglichkeit, mit der Referentin ins Gespräch zu kommen (über das Thema des Referates, über die Aufgabe der Referentin als Rabbinerin, über ihre Initiative im Bereich der Frauenfrage …). Religionen stehen für „ewige“ Werte und religiöse Traditionen beziehen ihre Überzeugungskraft daraus, dass sie sich als tragend erwiesen haben für unzählige Generationen von uns. Für moderne Fragen nach der Gleichberechtigung der Geschlechter scheint da kein Raum zu sein. Aber wir leben doch unsere Religion in einem konkreten Alltag, und der ist davon gekennzeichnet, dass die herkömmlichen Rollenzuschreibungen für Frauen und Männer infrage gestellt werden. Wie flexibel können religiöse Traditionen darauf reagieren, mit welchen Verlusten und mit welchen Gewinnen müssen wir rechnen, wenn sich traditionelle Rollenbilder auflösen?
Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg wurde 1966 in Ostberlin geboren und arbeitet als Historikerin und Rabbinerin. Die Mutter von 3 Kindern, die nach wie vor in Berlin lebt, ist seit 2016 Rabbinerin der liberalen Jüdischen Gemeinde Hameln. Während ihres Studiums in Jerusalem hat sich Frau Offenberg der Gruppe „Women oft he Wall“ („Frauen an der Mauer“) angeschlossen. Die Frauen der Gruppe setzten sich für gleiche religiöse Rechte an der Klagemauer ein. Denn von Frauen aus aller Welt wird dort erwartet, dass sie sich nach orthodoxen Regeln verhalten. Einen Gebetsschal dürfen sie genauso wenig tragen wie aus einer Bibelrolle lesen. Doch genau das hat Ulrike Offenberg zusammen mit anderen getan – oft gegen heftige Proteste von ultraorthodoxen Rabbinern. Ulrike Offenberg lebte selbst in einer jüdisch-orthodoxen Familie, war mit einem orthodoxen Mann verheiratet, teilte den orthodoxen Alltag mit vielen Regeln und Gebräuchen. Dann ist sie zum liberalen Judentum gekommen, nicht etwa durch Argumente oder Diskussionen, sondern durch eine Synagogen-Gemeinschaft, dir ihr gefallen hat. „Ich habe dort Freundlichkeit und Entgegenkommen erfahren“, erzählt sie. „Erst dann habe ich angefangen mich mit dem liberalen Judentum zu befassen.“ Israel hat Ulrike Offenberg beeindruckt. Als einzige Deutsche im ganzen Studiengang, überhaupt als einzige Nicht-Israelin, ist sie am renommierten Hebrew Union College in Jerusalem zur Rabbinerin ordiniert worden.  Sie engagiert sich in Bet Debora, dem Netzwerk europäischer Rabbinerinnen, Kantorinnen, Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, das sich der Erneuerung des jüdischen Lebens aus feministischer Perspektive widmet. Sie ist Mitglied im Netzwerk „Christlich-jüdischer Dialog in Niedersachsen“.
Auszüge aus: https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/frontnews/2016/12/01
Die diesjährigen Frauenkundgebungen in Ahmsen finden am 4. und 5. Juni jeweils um 15 Uhr statt. Da in diesem Jahr das Stück "Anatevka" in Ahmsen aufgeführt wird, in dem es um die christlichen und jüdischen Einwohner eines russischen Dörfchens um 1900 geht, die hin- und hergerissen sind zwischen Tradition und Moderne, schien uns eine Referentin im Bereich des "christlich-jüdischen Dialogs" sinnvoll. Wir freuen uns deshalb besonders, dass wir Dr. Ulrike Offenberg als Referentin für Frauenkundgebung und -frühstück gewinnen konnten.
Foto: Truchseß